Wolfgang Schlüter: Zum 80. Geburtstag

(Kommentare: 0)

Wolfgang Schlüter
Wolfgang Schlüter

Heute Abend spielt Wolfgang Schlüter im Kulturwerk in Norderstedt mit seinem Quartett Four Colours und der NDR Bigband. Dabei handelt es sich um ein besonderes Konzert, denn er wird heute auch seinen 80. Geburtstag begehen. Egal wo, ob zu Hause oder auf der Bühne, er würde ihn wahrscheinlich nicht ohne sein Vibraphon feiern wollen.


Im August 1956 begann die Jazzkarriere des ''Spitzenklöpplers'' Wolfgang Schlüter im Hamburger Jazzclub Barrett in den Colonnaden, als sich dort zum ersten Mal das Michael-Naura-Quintett auf der Bühne formierte. Ab diesem Zeitpunkt ist Wolfgang Schlüter endgültig mit dem Jazzvirus infiziert, von dem er sich zum Glück bis heute nicht kuriert hat.

Sein Lebenswerk umspannt wegweisende Veröffentlichungen unter anderem zusammen mit Michael Naura, Peter Rühmkorf, Christoph Speidel oder James Last, sowie die Zusammenarbeit mit der NDR Bigband von 1965 bis 1995 und Auftritte als Solist in den Orchestern von Kurt Edelhagen, Erwin Lehn, Werner Müller, Paul Kuhn und Peter Herbolzheimer. Die Lehrtätigkeit als Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg war ebenfalls eine wichtige Station in Schlüters Karriere.

Das Privileg von einem Ausnahmejazzer wie Wolfgang Schlüter unterrichtet zu werden, wussten viele seiner Schüler zu nutzen und mischen nun ebenfalls erfolgreich im Jazzgeschehen mit. Nicht wenige schafften den Sprung zu Schlüter selbst auf die Bühne; so speist sich sein aktuelles Quartett ''Four Colours'' aus seinen ehemaligen Schülern Boris Netsvetaev (Piano), Kai Bussenius (Drums) und Philipp Steen (Bass).

Es ist beeindruckend und inspirierend wie Wolfgang Schlüter einem Schicksalsschlag trotzte, der ihn vor 10 Jahren fast dazu zwang die Klöppel für immer aus der Hand zu legen: Ein Augeninfarkt raubte seinem linken Auge die komplette Sehkraft und auf dem Rechten sieht er nur noch etwa fünf Prozent. Ein Instrument wie das Vibraphon mit derart eingeschränkter Sicht zu spielen, erscheint unmöglich. Dass sich Schlüter zurück auf die Bühne gekämpft hat, lässt erahnen, welch Musikalität, Willenskraft und Liebe zum Jazz in ihm steckt. Wie der Augeninfarkt sein Spiel beeinflusst hat, kommentiert Schlüter mit: "Seit ich nur bedingt sehe, habe ich ein noch intensiveres Gefühl für mein Instrument entwickelt und spiele bewusster".

Über 50 Jahre lang Zuhörer auf der ganzen Welt mit seinem Spiel zu elektrisieren bleibt nicht ohne Folgen: Wolfgang Schlüter gilt als einer wichtigsten Vibraphonisten Europas, wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht (u.a. ECHO JAZZ 2013) und besitzt den Status einer lebenden Legende. Aber sich auf den Lorbeeren auszuruhen oder gar durch die Lobeshymnen abzuheben ist nicht die Art Wolfgang Schlüters. Wolf Kerschek, Leiter des Fachbereichs Jazz an der HfMT und ehemaliger Schlüter-Schüler, bezeichnet Wolfgang als ''wandelndes Understatement'' und seine jüngste Veröffentlichung, das auf dem Hamburger Label Skip erschienene Album ''Visionen'' zusammen mit der NDR Bigband, zeigt deutlich: Wolfgang Schlüter ist ein vom Jazz Infizierter!

Hoffen wir, dass der Jazz niemals aufhört, Wolfgang Schlüter die Vibraphon-Schlägel in die Hände zu führen und loslegen zu lassen.

Alles erdenklich Gute zum 80. Geburtstag wünscht ihm das Jazzbüro Hamburg e.V.!

 

Zurück