I Charleston Hamburg

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Die Hamburger Swingtanzszene hat seit Freitag ihr eigenes I Charleston Video.
"Was ist ein I Charleston Video?",  mag sich nun manch ein Jazzfan fragen, aber dass man zu Jazz auch tanzen kann dürfte bekannt sein. Vor allem auf den Swing der 20er bis 50er Jahre.
Unter den Swingtänzern ist es beliebt geworden Videos über die eigene Stadt zu drehen und unter dem Titel "I Charleston" bei Youtube zu veröffentlichen. Man tanzt vor den schönsten Kulissen der Stadt und zeigt damit seine Liebe zum Tanz und der Musik. Es gibt viele verschiedene Videos von begeisterten Tänzern aus aller Welt.
Die Tänzerin, Swingtanzlehrerin und Choreografin Ruby Doo hat das I Charleston Video für Hamburg ehrenamtlich initiiert und mit einer ganzen Reihe von Helfern und Unterstützern produziert. Am Freitag wurde es im Good Old Days veröffentlicht und mit einer riesigen Swingtanzparty im 20er Jahre Dresscode gefeiert.
Hier kann man das Video ansehen:

I Charleston Hamburg

Der Swingtanz ist immer mehr im Kommen. Ein Trend, der eine ganze Menge junge Menschen zurück führt, zu Swingmusik, Vintagemode und Veranstaltungen bei denen die Tanzmusik nicht aus dem USB-Stick kommt, sondern von Musikern gespielt wird: Tanzen mit Livemusik.
Auf den Swingpartys tanzt man Charleston, Balboa oder Lindy Hop auf traditionelle Jazzstandarts. Gern kleidet man sich passend: Die Damen im Kleidchen, die Herren im Anzug.
In Hamburg gibt es eine ganze Reihe Jazzmusiker und Bands, die sich auf eben diese Veranstaltungen spezialisiert haben, da trägt man dann auf der Bühne auch mal Schirmmütze, Fliege und Hosenträger. Zwischen den Sets legen DJ´s auf, die den Inhalt des Realbooks beinahe genau so gut kennen wie die Musiker.
Der Tanz ist frei, lebensfroh und sprüht vor Energie. Trotzdem werden die Etikette nicht vernachlässigt. Es wird nach Social Dance Prinzip aufgefordert, aber selten mehr als 2 bis 3 Tänze mit dem gleichen Partner getanzt. Ähnlich wie bei einer Jamsession wechseln die Konstellationen und es wird improvisiert was das Zeug hält.
Noch eines haben Swingtänzer und Jazzmusiker gemeinsam: Um improvisieren zu können muss man erst einmal die Basis lernen und dann sehr viel üben. Der eine Skalen, Akkorde, Rhythmen und das sensible Hören auf die anderen Musiker, der andere Grundschritte, Figuren und das berühmte "Lead and Follow" (Einer führt, der andere folgt. Eine Kommunikationsform, die entwickelt und trainiert werden will).

Für den Hamburger Jazz bedeutet eine florierende Swing-Tanzszene eine Chance auf neues, jüngeres Publikum, das Livemusik schätzen weiß und in der Lage ist ein Tenor- von einem Altsaxophon optisch und vielleicht sogar am Klang zu unterscheiden. (Leider keine Selbstverständlichkeit in einer Generation bei der die Antwort auf die Frage: "Woher kommt denn eigentlich die Musik?" ganz zu Recht "Aus dem MP3-Player.", lauten könnte).
Natürlich ist der Weg von einem begeisterten Swingtänzer zu einem aufmerksamen Zuhörer bei einem Modern- oder Freejazzkonzert noch weit. Aber wenn man die Jazzgeschichte betrachtet, wird klar dass der Jazz einen weitaus längeren Weg hinter sich hat um sich von dem einen zu dem anderen zu entwickeln. Und wo hat der Weg begonnen? Damals, früher - mit der Tanzmusik. Damals als Jazzmusik noch Unterhaltung war und nicht als "intellektuell" galt.

Wer jetzt Lust bekommen hat Tanzen zu lernen wird hier fündig werden: 

Newswinggeneration (Informationen, Tanzunterricht, Tanzveranstaltungen)

Bloodyhotswing (Informationen, Tanzunterricht, Tanzveranstaltung, Musiker/Bandvermittlung)

Swing Body Swing  (Tanzunterricht, Showtanz)

Swingwerkstatt (Informationen, Tanzunterricht, Tanzveranstaltungen)

Swingmusik kann man jeden Tag live im Cotton Club hören und der Verein Swinging Hamburg informiert und veranstaltet Swing Konzerte und Events.

Warum kommt grade der Swing wieder in Mode? Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Vergangenem, der Charme der alten Schule- oder die Langeweile, die allmählich aufkommt wenn man in der Discothek immer zu einförmigen Beats von einem Bein auf´s andere wippt? Was motiviert und inspiriert Menschen Tanzunterricht zu nehmen und Schrittkombinationen zu üben? Letztendlich nur die Musik. Daher ist der Weg vom leidenschaftlichen Tänzer zum interessierten Jazz-Konzertgast vielleicht doch nicht so weit (Und umgekehrt vielleicht ebenfalls nicht?).

Jazz ist mutige Musik. Von daher traut euch doch mal was: Geht Swing tanzen, oder auf ein Modernjazzkonzert, jeh nachdem, wo ihr noch nie wart!

Denn wie wir alle wissen: Jazz ist Improvisation. Und Improvisation bedeutet manchmal auch einfach schon bekanntes wieder zu entdecken, neu zu erfinden und in einem anderen, schönen Gewand zu präsentieren oder wahrzunehmen.
Ähnlich wie die Hamburger Kulisse im I Charleston Video.

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