Das Birdland schließt mit dem letzten Konzert am 29. Juni 2013

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Ein Statement des Jazzbüro Hamburg e.V.

28 Jahre hat Dieter Reichert das Birdland als Privatier geführt. Er glaubte schlicht an die Idee – Hamburg und seinen Musikern einen Ort zu geben, an dem regelmäßig Jazz stattfindet. 28 Jahre Geld und Zeit reinzustecken, das hält kaum einer durch. Das Jazzbüro sagt: Danke, Dieter für deinen unermüdlichen Enthusiasmus. Du hast ein Stück Jazzgeschichte in Hamburg geschrieben.

Schauen wir auf die Geschichte der Orte des Jazz in Hamburg, zieht sich das Muster der Enthusiasten durch. Versuche einen Club, der zeitgenössischem Jazz einen Platz gibt, gab es zahlreich.
Da gab es das Onkel Pö, das bis heute Geschichte schreibt. Finanziell abgesichert war es nicht. Auch gab es den Dennis Swing Club, der durch Dennis Busby lebte,  und nach dessen Tod durch die private finanzielle Förderung von Harro Frank eine Zeit lang weiter existieren konnte. Das Projekt Cercle von Dieter Glawischnig kapitulierte an Bauauflagen. Last but not least war es das Stellwerk, das Anfang 2012 die Pforten als Jazzclub schloss - und fast scheint es, nur aus Romantik noch einige wenige Jazzkonzerte im Jahr gibt.

Die Tatsache, dass die Musiker selber  in den vergangenen Jahren zahlreiche Jazzreihen an verschiedenen Orten Hamburgs etabliert haben, zeigt, dass die Hamburger Musiker Spielstätten brauchen und spielen wollen. Die Besucherzahlen der Reihen beweist, dass auch das Publikum Jazz sucht und annimmt. Diese Jazzreihen aber erfahren eine begrenzte Öffentlichkeit und Presseaufmerksamkeit und ersetzen keinen Club.

Schauen wir uns national wie international um, sind die Clubs in aller Munde, die es sich leisten können, auch internationale Künstler zu buchen: die Unterfahrt in München, das Porgy & Bess in Wien, das Moods in Zürich, der Stadtgarten in Köln, das A-Train in Berlin. Jeder kennt sie - und das ist deshalb möglich, weil diese Clubs öffentliche Förderung bekommen und eine inhaltlich fundierte Programmplanung umsetzten können, die neben der lokalen Szene auch so genannte BigNames präsentiert.

Die Musikstadt Hamburg braucht beständige Spielorte für Jazz. Der Cotton-Club bietet seit über 50 Jahren Jazz für die Liebhaber der traditionellen Klänge - wie lange noch? Und wo bleibt der aktuelle Jazz? Eine Stadt, die drei Jazzfestivals hat und fördert, Jazzmusiker an der Musikhochschule ausbildet, sollte  auch ein Interesse haben, einen beständigen Spielort zu fördern. Wenn Hamburg den letzten Jazzclub für aktuellen Jazz gehen lässt, mutiert das Attribut „Musikstadt“ zur Worthülse!

Zur Entscheidung Hamburgs, den JazzEcho in den kommenden drei Jahren in die Stadt zu holen, stellen wir als Jazzbüro die Frage: Wo ist da die Strahlkraft für die Szene? Wenn aus Sicht der Hamburger Jazzförderung viel Geld für die Austragung des JazzEcho in die Hand genommen wird, sollte auch der Boden auf dem der Jazz in Hamburg wächst eine Düngung erfahren. 

Das Jazzbüro setzt sich für einen Interessenspool ein, der unterschiedliche Bedürfnisse und Qualifikationen kompetent abdeckt, der sich für einen Jazzclub stark macht und auch noch einmal über ein neue Ausrichtung des Birdland nachdenkt. Wir sind davon überzeugt, dass es möglich ist.

Wir fordern Hamburg heraus !
 

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