Auftakt der Kultreihe „Lautsprecher“ gestern im Thalia Theater

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Über den Horizont hinaus ahnende, unendliche Weite, vom Wind getriebene blaugrüngraue Wellen und darunter eine unheimliche Tiefe. Sich frei fühlen, sich verlieren, abtauchen, schwerelos und ohne Ziel dahin treiben.
Das Meer – jeder, der schon einmal dort war, weiß um die faszinierende Ambivalenz dieser Naturgewalt. Von der ruhigen See bis hin zum tosenden Sturm findet man darin das Unberechenbare, das Auf und Ab, eine Analogie zum Menschsein und das was es prägt.

files/jazzbuero/Nachrichten/Nachrichten_Bilder/lautsprecher.6.11.a.jpgGestern Abend war es ein Meer aus runden Tischen im Ballsaal, der gut gefüllt war. Auf der Bühne befanden sich die Musiker des Felice Sound Orchestra, sechs an der Zahl, die dem großen Thema des Lautsprecher-Abends, dem Meer, mit Jazz begegneten. Drei Schauspieler des Thalia Theaters flankierten die Band und führten den Zuhörer mit ihren Texten vom Strandgut sammelnden Spaziergänger über den wilhelminischen Imperator bis nach Amerika als Mitfahrer von Christoph Kolumbus.
Das Ganze wirkte wie ein Hörspiel mit verschiedenen kleinen Episoden – die Stimmen von Franziska Hartmann, Tilo Werner und Christina Geiße wurden begleitet von dem Musikerensemble um Felix Behrendt. Der stand am Kontrabass oder am Moog und tauschte Blicke mit Lukas Kapp am Klavier, Silvan Strauss am Schlagzeug und der Bläserfraktion: Anna Lena Schnabel brillierte am Saxophon neben Benny Brown an der Trompete und Sebastian Hoffmann an der Posaune. Ab und zu wich man von den komponierten Stücken mit arrangierten Bläsersätzen ab und vertonte perkussiv das metallische Klirren des Schiffrumpfs oder imitierte den Wind mit Blasinstrumenten. Ein vorsichtiges Abtasten – dabei blieb es zwischen Musikern und Schauspielern an diesem Abend.

files/jazzbuero/Nachrichten/Nachrichten_Bilder/lautsprecher.6.11.b.jpgDavon ausgenommen werden muss eine großartige Rettungsaktion auf hoher See: Charlie Parker befand sich in Seenot und schrie in der Sprache der Musik nach Hilfe. Erhört wurde er von seinem theatralen Gegenüber im Rettungsboot. Franziska Hartmann warf Bird einen Rettungsring zu. Zwischen der Angst vorm Ertrinken und der Euphorie der Lebenskraft, es doch zu schaffen, gelang es Anna Lena Schnabel in der Rolle des schiffbrüchigen Charlie Parker, mit ihrem Saxophon in diesen Extremen changierend in einen lebhaften Dialog mit der Schauspielerin zu treten.
Abgerundet wurde das Live-Hörspiel mit der Bühnenpräsenz des Moderators David Friedrich, der mit seiner frechen und gewitzten Art Michel Abdollahi gut vertreten hat.


Wir sind gespannt auf die zweite Ausgabe am 18. Dezember.  

 

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